Robert Schuman wurden während der Zeit seiner Internierung in Neustadt an der Weinstraße erstaunliche Freiheiten gewährt, die sonst kaum ein Gefangener des NS-Regimes in Anspruch nehmen konnte. Nach einer gewissen “Probezeit”, in der er seine Bewacher davon überzeugte, dass er keine Fluchtpläne hegte, durfte er sogar zu mehrtägigen Ausflügen und kurzen Reisen die Stadt verlassen. So besuchte er beispielsweise Ludwigshafen, Heidelberg oder Speyer. Allerdings musste er sich für jede geplante Reise bei der Gestapo einem Verhör unterziehen: Wohin soll die Reise gehen? Zu welchem Zweck? Welche Personen möchte er treffen? Die Rückkehr wurde vorgegeben und man kann zudem davon ausgehen, dass Schuman während dieser Ausflüge von Gestapobeamten bespitzelt wurde. Als regelmäßiger Besucher des Herz-Jesu-Klosters verfügte Schuman über einen großen Bekanntenkreis unter Geistlichen und seine Ausflüge wurden auch stets mit einem Austausch mit Geistlichen zu religiösen Themen begründet. Es schien, als habe sich Schuman aus der Politik zurückgezogen. Das aber, war nur ein Trugschluss. Denn die geistlichen Bekannten, die Schuman traf und denen er vertraute, waren scharfe Beobachter und auf diese Weise sammelte und verbreitete Schuman Informationen über den Kriegsverlauf und das Deutsche Militär, wo er nur konnte.

Nachdem Reinhard Heydrich, Leiter des Reichssicherheitshauptamtes und SS-Obergruppenführer, in Prag durch ein Attentat starb, wurde befürchtet, dass die Gestapo alle Sicherheitsmaßnahmen steigern würde und das war der Punkt, an dem Schuman seinen Fluchtplan, den er gemeinsam mit seinem Netzwerk ausgedacht hatte, in die Tat umsetzte. Auch wenn sich die Fluchtroute bis in den unbesetzten Teil Frankreichs nicht völlig belegen lässt, so gelang ihm seine Flucht doch sehr wahrscheinlich über den Neustadter Bahnhof.

“Wir können den drohenden Gefahren nur entgehen, wenn wir den Hass aus der Vergangenheit vergessen, den nationalen Groll und den Geist der Rache abflauen lassen, die nationalen Grenzen und Barrieren, die unsere Spaltungen verschärfen und kristallisieren, allmählich verschwinden lassen.”

Robert Schuman