Neustadt an der Weinstraße mit dem Hambacher Schloss gehört neben der Frankfurter Paulskirche und dem Weimarer Nationaltheater zu den bedeutendsten Orten deutscher Demokratiegeschichte und zum Europäischen Kulturerbe. Daher hat der Stadtrat der Stadt Neustadt an der Weinstraße am 29. September 2020 beschlossen, dass sich die Stadt als „Demokratiestadt“ und als erlebbares Zentrum deutscher Demokratiegeschichte profilieren soll. Unter anderem hat sich bereits das Projekt “Neustadt an der Weinstraße und der Nationalsozialismus“, das gemeinsam von der Stadt Neustadt und der Universität Mainz umgesetzt wurde, mit diesem schwierigen Kapitel der Stadtgeschichte beschäftigt.

2024 bewarb sich die Stadt Neustadt an der Weinstraße für eine Teilnahme am Landesprojekt KuLaDig-RLP im Projektjahr 2025. Erstmals wurde ein Themenschwerpunkt auf die biografischen Spuren von bedeutsamen Persönlichkeiten gelegt. Neustadt wählte Orte aus, die im Zusammenhang mit dem Wegbereiter der Europäischen Union, Robert Schuman, stehen. Schuman war 1940 in Metz von der Gestapo verhaftet und nach 10 monatiger Haft nach Neustadt überstellt und dort im Kurhaus Kohler interniert worden. Am 2. August 1942 gelang Schuman die Flucht aus Neustadt. Bis zur Befreiung Frankreichs lebte er im Untergrund.

An insgesamt sechs Stationen im Stadtgebiet versuchen wir uns der Person Robert Schuman, seinen Unterstützern und Kontrahenten sowie der Stadt Neustadt zur Zeit der Nationalsozialisten anzunähern.

Zeitgeschichte im Überblick



Die Projektumsetzung – ein Zusammenwirken von Vielen

Im Rahmen der Projektumsetzung waren viele verschiedene Akteure beteiligt. Gemeinsam mit dem KuLaDig-RLP-Team koordinierte Martin Lange von der Stadtverwaltung Neustadt an der Weinstraße das Projekt, unterstützt von den Kolleg:innen Petra Schanze von der Decken und Constantin Beck-Burak, den Fachbereichsleiter Bildung Kultur und Sport. Wertvolle Unterstützung erhielten wir durch die Ehrenamtler Erich Bien und Bruder Josef vom Herz-Jesu Kloster Neustadt sowie durch die Mitarbeitenden des Lernorts Gestapo Neustadt, des Stadtarchivs Neustadt und des Landesarchivs Speyer. Ebenfalls fruchtbar war die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden des Robert Schuman Hauses in Metz. Die Audios wurden durch den professionellen Sprecher Robert Moeck auf Basis der Drehbücher von Martin Lange und Florian Weber eingesprochen und mit Fragen der beiden Studierenden an der Universität Koblenz, Sanam Sadat und Laura Keller, ergänzt. Die Künstlerin Philine Zeuner schuf die Schuman-Zeichnungen für die Stationen-Seiten.

Unsere Vorgehensweise – ran an die Quellen

Über die Zeit von Robert Schumans Internierung in Neustadt an der Weinstraße ist bislang wenig publiziert worden. Aus diesem Grund mussten wir neben der Literatur eine Vielzahl an Akten, Dokumenten und Zeitungsartikel des Stadtarchivs und des Landesarchivs Speyer auswerten und konnten manche Wissenslücke füllen, manche bestehende These entkräften. Um auch anekdotisches Wissen zu berücksichtigen, befragten wir auch Heimatforscher und Ehrenamtliche. Nicht zuletzt lieferten die Fachleute aus dem Lernort Gestapo Neustadt und dem Robert Schuman Haus bei Metz wichtige Informationen.

Praktische Hinweise zur Thementour

Die Thementour “Auf den Spuren von Robert Schuman in Neustadt an der Weinstraße” beginnt am Hetzelplatz, nahe der Touristinformation und führt von dort aus zum Lernort Gestapo Neustadt in der Konrad-Adenauer-Straße 10. Die dritte Station, das ehemalige Kurhaus Kohler in der Waldstraße 60, befindet sich in der Hanglage des auslaufenden Pfälzerwaldes. Ebenso die vierte Station, das Herz-Jesu-Kloster. Danach geht es zum Bahnhof Neustadt an der Weinstraße, bevor der Rundgang auf dem Marktplatz abschließt.

Die Gesamtlänge der Thementour beträgt ungefähr 4 Kilometer Fußweg. Der Aufstieg zum ehemaligen Kurhaus und zum Kloster erfolgt über relativ steile Zuwege und Treppen und ist daher nur eingeschränkt barrierefrei. Es besteht aber auch die Möglichkeit, diese beiden Orte mit dem PKW zu erreichen, ein paar Parkplätze gibt es am Kloster. Klicken Sie einfach auf den Button “Zur nächsten Station” und eine Google-Maps-Navigation (für Fußgänger:innen) öffnet sich.