
Hier, am Marktplatz in Neustadt an der Weinstraße, schließt unsere Thementour. Dass dieser Ort einen guten Schlusspunkt bietet, lässt sich an seiner wechselvollen Geschichte absehen, die sich sowohl in demokratiefördernden als auch -feindlichen Ereignissen kristallisiert hat.
Robert Schuman ist bereits gegangen. Er ist in einem geeigneten Augenblick im Nebel der Dampfloks und im Gedränge der Reisenden verschwunden, aber nicht ohne uns etwas zu hinterlassen. Wie werden wir es in Zukunft gebrauchen?
“Europa kann nur durch den aufrichtigen Wunsch der Völker und den handelnden Willen der großen Mehrheit der Menschen aller Parteien, die allen freiheitsliebenden Völkern angehören, wo immer sie wohnen und wie immer sie wählen, geeint werden.”
Robert Schuman

Marktplatz 1933 – Ort der Bücherverbrennung
Am 27. April 1933, wurde der Marktplatz in Adolf-Hitler-Platz umbenannt. Hier fand am 14.Mai.1933 die Bücherverbrennung statt. Diese Aktion fand in ganz Deutschland statt, allerdings bereits am 10.Mai.1933. Da es jedoch an diesem Tag in Neustadt geregnete hat, wurde sie verschoben. Verbrannt wurden u.a. Werke von Bertold Brecht, Albert Einstein, Sigmund Freud, Karl Marx und Erich Kästner.
Der Grund war, dass diese Werke nach dem Verständnis der Nationalsozialisten einen sogenannten „undeutschen Geist“ verbreiten würden. Der Tag wurde als „Tag der Hitlerjugend“ bezeichnet und es durften mehr als 3000 Hitlerjungs und-Mädchen unter der Anwesenheit der Lehrerschaft und den Eltern an der Veranstaltung teilnehmen. Die Aktion diente der Einflussnahme auf die Erziehung von Kindern und Jugendlichen hin zum nationalsozialistischen Denken.


Der Marktplatz war und ist ein Ort deutscher Demokratiegeschichte
Die Gräuel der Nationalsozialisten waren nur eine Episode in der Geschichte des Platzes. Sie sollen nicht vergessen machen, welche Strahlkraft dieser Ort für die Demokratiebewegung hatte und hat.
Am 27. Mai 1832 begann von hier aus der Festzug auf das Hambacher Schloss, wo ca. 30.000 Menschen für Einheit Recht und Freiheit demonstrierten. Bereits am Morgen kamen die Menschen nach Neustadt mit Leiterwägen und Pferdekutschen und versammelten sich hier. Laut Aufzeichnungen war damals „kein Huhn mehr im Stall“ und „kein Strohsack mehr frei“, da viel mehr Menschen kamen als erwartet.
Bei der damaligen Buchhandlung Christmann dem heutigen Scheffelhaus, Marktplatz Nr. 4. konnten die Demonstranten neben Freiheitsliedertexten auch schwarz-rot-goldene Kokarden erwerben. Das Ehrenschwert von einem der beiden Hauptakteure des Hambacher Festes, Hr. Johann Georg August Wirth konnte besichtigt werden. Philipp Christmann war Mitglied des „Press- und Vaterlandsvereins“, der den Aufruf zum Hambacher Fest startete. Er gehörte zu den Verantwortlichen des Festkomitees. Als Konsequenz wurden nur wenige Tage nach dem Hambacher Fest auf Befehl der bayerischen Landesregierung die Buchhandlung geschlossen.
Bild oben: Herinneringssteen (Erinnerungsstein) auf dem Marktplatz, Bild rechts das Rathaus beim Fest der Demokratie 2024; Stadtmarketing Neustadt a. d. Weinstraße

Aktuelle Projekte mit Bezug zu Europa
Die Europa-AG der BBS Neustadt steht interessierten Schülerinnen und Schülern aller Schulformen und Bildungsgänge offen. In einer kreativen, projektorientierten und ganzheitlichen Arbeitsweise setzen sich die Teilnehmenden mit vielfältigen Themen rund um die EU und Europa auseinander. Dabei können sie ihre individuellen Kompetenzen und Stärken einbringen. Ein besonderes Anliegen der AG ist es, für die Werte und Errungenschaften der Europäischen Union zu sensibilisieren [Hier geht es zur Webseite].




