Seine Bewacher gestatteten Robert Schuman das Herz-Jesu-Kloster, das sich nur wenige hundert Meter vom Kurhaus Kohler befindet, zu besuchen und Schuman kam beinahe täglich hierher, betete und besuchte die Heilige Messe. Auch nahm er an Glaubensgesprächen teil, in denen er durch große Kenntnisse der griechischen Bibeltexte auffiel, die er allerdings, wie es hieß, in recht bescheidener Art einbrachte. Die feste kirchliche Bindung und seine christliche Grundeinstellung verdankte er seiner Mutter Eugenie Duren (1864-1911). Noch als Student war er Mitglied in katholischen Vereinen und Verbänden, wie beispielsweise in der katholischen Studentenverbindung UNITAS in Bonn im Jahre 1904 oder im Volksverein für das katholische Deutschland im Jahre 1912 in Berlin.

Schumans Nachfolger auf dem Präsidentenstuhl des Europäischen Parlaments, Gajetano Martino, stellt fest: „Robert Schuman war ein Mann des Glaubens. Er hat seinem Werk jenen tiefen, unzerstörbaren Glauben eingehaucht, der ihn selber bewegte. Das erklärt, warum so viel Ausdauer, so viel Standfestigkeit und so viel innere Wärme in diesem Menschen steckte, der nach außen kühl, furchtsam und bescheiden erschien. Die Kraft, die in ihm wohnte, war die des Glaubens“.1 So auch André Philip, Sozialist protestantischer Konfession, mehrfach Minister der IV. Französischen Republik, erinnert sich wie folgt: „Was mir zunächst an ihm auffiel, war die Ausstrahlung inneren Lebens, die von ihm ausging. Man stand vor einem geweihten Menschen, der seine persönlichen Wünsche abgelegt und seinen Ehrgeiz abgestreift hatte, den totale intellektuelle Ehrlichkeit und
Demut beseelten, der nur danach suchte, zu dienen, dort und in dem Augenblick, wo er sich berufen fühlte“2

“Wir alle sind Werkzeuge – gewiss, fehlerhafte Werkzeuge – einer Vorsehung, die sich unserer bedient, um große Vorhaben zu vollenden, für die unsere eigenen Kräfte nicht ausreichen.”

Robert Schuman

  1. Henri Brugmans: Die europäische Botschaft Robert Schumans, Lausanne , 1965, S. 26. ↩︎
  2. Robert Schuman – christlicher Demokrat und Europäer, Aktuatität eines Vorbilds – Verlag Ernst Knoth,
    Melle, 1988, S. 26. ↩︎