
Die geheime Staatspolizei ging in Bayern, wozu die Pfalz bis 1946 offiziell gehörte, aus der Bayerischen Politischen Polizei hervor. Das bedeutete, dass auch viele Mitarbeiter der Polizei später bei der Gestapo arbeiteten. So auch Otto Hemrich, der für die Gestapo Neustadt die Flucht von Robert Schuman untersuchte. Er hatte sich 1922 freiwillig zur städtischen Schutzmannschaft in Ludwigshafen gemeldet und war dort innerhalb der Behörde aufgestiegen und in den Staatsdienst übernommen worden. Allerdings war Hemrich vor seiner Tätigkeit in Neustadt zunächst bei der Gestapo Saarbrücken und hier bei deren Außenstelle in St. Ingbert beschäftigt.
Mit 112 Mitarbeitern hatte die Gestapo Neustadt im Jahr 1937 ihren Höchststand an Mitarbeitenden erreicht. Sie waren zuständig für ca. 1 Million Menschen in der Pfalz. Eine vollständige Überwachung war demnach nicht möglich. Jedoch gab es innerhalb der Bevölkerung eine nicht zu unterschätzende Bereitschaft für Denunziationen und es bestand immer die Möglichkeit, dass Gesagtes mitgehört und von Freunden, Nachbarn, Kollegen oder Fremden an die Gestapo weitergegeben wurde. Zudem arbeitete die Gestapo ab Herbst 1942 auch gezielt mit V-Leuten („Vertrauens-Leuten“) und anderen Institutionen wie dem SD („Sicherheitsdienst“) und dem Geheimdienst der SS zusammen. Auch seitens der „Ordnungspolizei“, der städtischen Schutzpolizei und der ländlichen Gendarmerie erfuhr die Gestapo Neustadt regelmäßige Unterstützung. Auch die Reichsbahn, die Post- und Passämter der Gemeinden sowie verschiedenste Parteidienststellen und Gruppierungen der NSDAP unterstützen die Arbeit des Verfolgungsorgans. Auch Frauen standen im Dienste der Neustadter Gestapo. Sie arbeiteten zumeist als Schreibkräfte oder Übersetzerinnen und waren dadurch über die Vorgänge innerhalb der Behörde und ihr Vorgehen informiert.
Das Ende der Neustadter Gestapo markiert der 16. März 1945 als sich die verbliebenen Mitarbeitenden der Gestapo Neustadt über den Rhein absetzten. Nur eine Woche später erreichten die Amerikaner Neustadt am 21. März 1945.
“Aber wir, die Überlebenden, sind nicht nur den Toten verpflichtet, sondern auch den kommenden Generationen: Wir müssen unsere Erfahrungen an sie weitergeben, damit sie daraus lernen können.”
Simon Wiesenthal, KZ-Überlebender

Die Dienststelle der Gestapo in Neustadt / Weinstraße wurde zum 15. Februar 1937 per Anordnung der Bayerischen Staatsregierung begründet. Einquartiert war sie in der Luitpoldstraße 10, heute Konrad-Adenauer-Straße 10, im Stadtzentrum. Am 1. Juli 1941 wurde die Gestapo Neustadt im Rahmen der reichsweiten Umstrukturierung der Gestapo Saarbrücken als Außenstelle unterstellt.


In diesem Gebäude soll der außerschulische Lernort “Gestapo Neustadt an der Weinstraße” eingerichtet werden. Unter der Regie der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz (LpB RLP) wurde ab Sommer 2021 ein entsprechendes Konzept ausgearbeitet. Hierbei arbeitet die LpB RLP eng mit Dr. Walter Rummel, dem ehemaligen Leiter des Landesarchivs Speyer, zusammen. Er wird gemeinsam mit Annika Heinze (Referentin der LpB RLP) einen entsprechenden Entwurf vorlegen. Unterstützung erhält das Konzept-Team von der Forschungs- und Dokumentationsstelle SEAL der Universität Trier.


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