{"id":8,"date":"2024-09-11T13:08:03","date_gmt":"2024-09-11T13:08:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/kulturelleserbe\/?page_id=8"},"modified":"2026-02-23T19:29:58","modified_gmt":"2026-02-23T19:29:58","slug":"ludwig-august-zotz-1915-1943","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/?page_id=8","title":{"rendered":"Ludwig August Zotz (1915-1943)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ann\u00e4hernd 100 Herxheimer junge M\u00e4nner k\u00e4mpften im Laufe des Zweiten Weltkrieges als Soldaten zweimal auf dem Gebiet der heutigen Ukraine, beim Vormarsch 1941 und bei den Abwehr- und R\u00fcckzugsk\u00e4mpfen 1943. Zahlreich fanden sie dort den Tod und ihr Grab. So auch Ludwig August Zotz.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Ludwig-Zotz-AudioTrimmer.com-AudioTrimmer.com-Teil-1.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ludwig Zotz wurde am 28. Dezember 1915 in Herxheim als zweites von sieben Kindern des Landwirtsehepaares August Zotz und Magdalena geb. Settelmeyer geboren. Sein Elternhaus stand in der K\u00e4sgasse 10. Nach dem Besuch der Volksschule besuchte er die Landwirtschaftsschule in Landau. Das Abschlusszeugnis der Landwirtschaftsschule Landau vom 2. Mai 1935 weist hervorragende und lobenswerte Noten auf. Als \u00e4ltestes der Kinder h\u00e4tte er traditionsgem\u00e4\u00df die elterliche Landwirtschaft einmal \u00fcbernehmen sollen.<br>Auf Grund eines erhaltenen Leistungsbuches der SA von 1934 m\u00fcsste Ludwig Zotz als 18-J\u00e4hriger der SA beigetreten sein. Wir wissen, dass Ludwig Zotz am 3. November 1937 in Landau zum Wehrdienst einr\u00fccken musste. Im Oktober 1938, also noch in Friedenszeiten, wurde er zum Gefreiten bef\u00f6rdert. Wahrscheinlich weilte er nach der Wehrausbildung noch f\u00fcr einige Zeit zu Hause. Dem Obergefreiten Ludwig Zotz wurde am&nbsp;20. M\u00e4rz 1940 das \u201eDeutsche Schutzwall-Ehrenzeichen\u201c verliehen. Damit wurden jene Personen bedacht, die mindesten 15 Wochen beim Bau des \u201eWestwalls\u201c mitgewirkt hatten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"638\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/kulturelleserbe\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/image.jpeg\" alt=\"This image has an empty alt attribute; its file name is Zotz-Ludwig-Hochzeit-4.12.1942-638x1024-1.jpg\" class=\"wp-image-11\" style=\"width:327px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/image.jpeg 638w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/image-187x300.jpeg 187w\" sizes=\"(max-width: 638px) 100vw, 638px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ludwig Zotz heiratete am 4. Dezember 1942 Margarete Kerner.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vom 10. Mai\u00a0 bis 1. August 1940 nahm er am Frankreich-Feldzug teil. Direkt zu Beginn des Russlandfeldzugs (22. Juni 1941) wurde er an die Ostfront versetzt und zum Stabsgefreiten bef\u00f6rdert. Der extreme russische Winter 1941-42 brachte ihm wie den meisten deutschen Soldaten der Ostfront erfrorene Zehen und Finger und hinterher die Ostmedaille, unter Landsern \u201eGefrierfleischorden\u201c genannt. Dem Stabsgefreiten Ludwig Zotz wurde am 28. November 1942 das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern und am 5. August 1943 das Eiserne Kreuz 2. Klasse f\u00fcr besondere Tapferkeit verliehen. Zwischen diesen Ereignissen bekam Ludwig nochmals Heimaturlaub. Diesen nutzte er, um am 4. Dezember 1942 mit Margarete Kerner aus der Augustastra\u00dfe den Ehebund einzugehen.<br>Seine Bef\u00f6rderung zum Unteroffizier wurde zum 1. August 1943 ausgesprochen. In dieser Zeit, da die deutschen Truppen schon in harten und verlustreichen Abwehrk\u00e4mpfen standen, schrieb Ludwig an seine Eltern und Geschwister:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Zotz-Ludwig-Brief-vom-Felde.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Liebe Mutter und Geschwister,<br>&nbsp;heute habe ich endlich wieder Zeit, um euch zu schreiben. Wie geht es daheim zu? Ich habe bis jetzt noch keine Post von euch. Ihr k\u00f6nnt euch vorstellen, wie mir zumute ist. Bei mir ist es immer noch dasselbe. Ich sitze Tag und Nacht in einem kleinen Loch, das man sich als Infanterist geschaufelt hat und wartet und wartet auf das Ende des Krieges. Hoffentlich geht er bald aus und wir kommen alle gesund nach Hause.<\/em> <br><em>Gestern hat der Russe wieder bei uns angegriffen und wir hatten wieder zwei Tote und viele Verletzte, aber noch nicht ein Drittel so viel wie er vor unserer Stellung. &nbsp;Dutzendweise liegen sie (russische Soldaten) dort. Fast lauter alte M\u00e4nner. 45-50 Jahre. Gestern hat es bei uns Phosphor geschossen. Wenn es einen da trifft, verbrennt man, aber jede Kugel trifft ja nicht und wenn, dann hat es in Gottes Namen sein m\u00fcssen.<\/em><br><em>Habt ihr Kartoffel schon ausgemacht und sind sie sch\u00f6n? Wo sind Ludwig, Franz und Oswald? Hoffentlich geht es ihnen nicht so dreckig wie mir. Mein Namenstag werde ich diesmal in weiten Fernen 1500 km von der Heimat feiern. Hoffentlich kann ich mir&nbsp; an diesem Tag auch was leisten, vielleicht eine Stunde Schlaf mehr wie sonst. Das Essen ist hier sehr gut. Es gibt jeden Tag Schokolade und Schnaps (\u2026). Aber lieber w\u00fcrde ich daheim die schwerste Arbeit leisten mit Quellkartoffeln und Griebenwurst. Hier darf man einfach nicht denken. Ich will jetzt schlie\u00dfen in der Hoffnung auf ein Wiedersehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Euer Ludwig<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Schickt mir bitte Seife und Rasiermesser. Auch ein Wollschal w\u00e4re angenehm, denn hier ist es schon kalt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Briefen nach Hause durfte der Aufenthaltsort nicht mitgeteilt werden, um dem Feind im gegebenen Falle keine Informationen zu liefern. Die Briefe wurden in der Regel auch zensiert und gelegentlich findet man darin von der Zensur geschw\u00e4rzte Stellen. Deshalb erfahren wir gelegentlich erst mit der Vermissten- bzw. Gefallenenmeldung, wo der Soldat im Felde stand. Im Falle von Ludwig Zotz war das der Nordabschnitt der Ostfront. In einem Brief an die Ehefrau vom 26. Januar 1944, verfasst von dem Kompanief\u00fchrer, Leutnant Blawid, erfahren wir:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Ludwig-Zotz-AudioTrimmer.com-AudioTrimmer.com-Teil-2.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eMitten aus schwerstem Einsatz muss ich Ihnen die traurige Mitteilung machen, dass ihr Gatte, der Unteroffizier Ludwig Zotz, seit dem 13. Dezember 1943 vermisst ist. Am 13. Dezember legten der Russe in den fr\u00fchen Morgenstunden ein pausenloses Trommelfeuer auf unsere Stellungen bei Alexejenki, etwa 30 km n\u00f6rdlich von Gorodok, dem ein Gro\u00dfangriff folgte. Da der Feinddruck zu stark war, musste die Stellung auf eine zweite Linie zur\u00fcckgenommen werden. Dort wurde ihr Mann nicht mehr gesehen. Sofort angestellte Vernehmungen und Nachforschungen bei den Kameraden blieben leider ohne Erfolg. Sollte ich noch irgendetwas \u00fcber den Verbleib ihres Gatten erfahren, werde ich Sie sofort benachrichtigen. (\u2026) Sollten sich noch irgendwelche Nachlasssachen beim Tross befinden, gehen Ihnen diese in n\u00e4chster Zeit zu. Die Benachrichtigung konnte wegen der harten und schweren K\u00e4mpfe leider erst heute erfolgen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob Ludwig Zotz seinen am 12. September 1943 geborenen Sohn in die Augen schauen und sich \u00fcber ihn freuen konnte, ist nicht belegt, aber eher unwahrscheinlich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"663\" src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/kulturelleserbe\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Sohn-Ludwig-1024x663-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13\" style=\"width:547px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Sohn-Ludwig-1024x663-1.jpg 1024w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Sohn-Ludwig-1024x663-1-300x194.jpg 300w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Sohn-Ludwig-1024x663-1-768x497.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ludwig Zotz, Sohn des August Ludwig Zotz um 1944\/45.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ludwigs Bruder Bruno Zotz war zwei Monate zuvor 19-j\u00e4hrig an der Ostfront gefallen. Es war eine Zeit der Dauertrauer in Herxheim und ganz Deutschland, trafen doch jede Woche Nachrichten vom Tod an der Front bei den zu Hause auf die R\u00fcckkehr ihrer Kinder, Geschwister oder Ehem\u00e4nner Harrenden ein. Im Gedenkbuch der Kriegsgr\u00e4berst\u00e4tte Sebesh auf russischem Boden und in der Kriegerged\u00e4chtniskapelle Herxheim wird an Ludwig Zotz erinnert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Dr. Klaus Eichenlaub)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ann\u00e4hernd 100 Herxheimer junge M\u00e4nner k\u00e4mpften im Laufe des Zweiten Weltkrieges als Soldaten zweimal auf dem Gebiet der heutigen Ukraine, beim Vormarsch 1941 und bei den Abwehr- und R\u00fcckzugsk\u00e4mpfen 1943. Zahlreich fanden sie dort den Tod und ihr Grab. So auch Ludwig August Zotz. Ludwig Zotz wurde am 28. Dezember 1915 in Herxheim als zweites [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-8","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/8","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/8\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2052,"href":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/8\/revisions\/2052"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}