{"id":797,"date":"2025-02-14T06:00:04","date_gmt":"2025-02-14T06:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/?page_id=797"},"modified":"2025-02-14T06:14:11","modified_gmt":"2025-02-14T06:14:11","slug":"josef-anton-1919-1942","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/?page_id=797","title":{"rendered":"Josef Anton (1919-1942)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Elternhaus von Josef Anton stand in der Unteren Hauptstra\u00dfe 146 im Schatten des Kirchturms, rechts neben dem sp\u00e4ter angelegten Parkplatz. Die einzige Glocke, die dem Turm geblieben war &#8211; die anderen waren abgeh\u00e4ngt und zur Waffenherstellung eingeschmolzen worden &#8211;&nbsp;verk\u00fcndete 1942 seinen Tod an der Ostfront.<br>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Josef Anton war das 9. Kind des Landwirts und Wagnermeisters Eduard Anton und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Bullinger und kam am 29. September 1919 auf die Welt. Der Name des v\u00e4terlichen Berufs war zum Spitznamen f\u00fcr die Familie und deren Kinder geworden. Deshalb hie\u00df er in Herxheim \u201eWachner Sepp\u201c. Von den insgesamt 12 Kindern der Familie waren vier schon im Kleinkindalter gestorben. Von den \u00fcberlebenden Kindern war Josef der erste Bub. Nach der Volksschule erlernte er wie sein Vater das Handwerk des Wagners. Schlie\u00dflich sollte er die Werkstatt seines Vaters einmal \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Josef.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"722\" src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Familienfoto-Josef-links-1024x722.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-807\" srcset=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Familienfoto-Josef-links-1024x722.jpg 1024w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Familienfoto-Josef-links-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Familienfoto-Josef-links-768x542.jpg 768w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Familienfoto-Josef-links-1536x1083.jpg 1536w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Familienfoto-Josef-links-2048x1444.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>      Foto der Familie Anton aus Mutterstadt. Josef Anton ist in der oberen Reihe links zu sehen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Niederlage Polens und Frankreichs zu Beginn des 2. Weltkrieges lag der Plan zum \u00dcberfall des Deutschen Heeres auf Sowjetrussland bereits in den Schubladen der Milit\u00e4rs. Das deutsche Heer wurde daf\u00fcr materiell und personell aufger\u00fcstet. 21-j\u00e4hrig musste Josef Anton am 4.&nbsp;Oktober 1940 beim Pionierersatzbataillon 33 in Speyer einr\u00fccken. Am 10. Juni 1941 war seine Ausbildung zu Ende und nur wenige Tage sp\u00e4ter, am 22. Juni, finden wir Josef Anton mit seiner Einheit an der Ostfront. Er war Zeuge des &#8220;Blitzkrieges&#8221; und des Durchbruchs der deutschen Einheiten in die Tiefen der Sowjetunion. Bereits zwei Monate sp\u00e4ter wurde er mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und dem Pionier Sturmabzeichen ausgezeichnet. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"713\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Josef-2-713x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-808\" style=\"width:386px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Josef-2-713x1024.jpg 713w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Josef-2-209x300.jpg 209w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Josef-2-768x1103.jpg 768w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Josef-2-1069x1536.jpg 1069w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Josef-2.jpg 1358w\" sizes=\"(max-width: 713px) 100vw, 713px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>                                           Josef Anton kam mit 21 Jahren an die Ostfront.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der harte Winter stoppte den Vormarsch der Deutschen ebenso wie der Widerstandswille der sowjetischen Soldaten. Im Februar 1942 schrieb Josef einen Brief von der Front nach Hause: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8220;Ihr wollt also wissen, wo ich bin und was ich mitgemacht habe. Von Anfang Dezember bis Neujahr habe ich an den K\u00e4mpfen teilgenommen bei Klino(?). Da war ja allerhand los. Das kann man so nicht schreiben. Dabei gab es fast keine Zeit zum Schreiben. Deshalb wart ihr so lange ohne Post. Jetzt, nachdem wir die Winterstellung bezogen haben, ist es ruhiger. Wir arbeiten die Stellungen aus.&nbsp;Das ist unsere Aufgabe. In der Hoffnung, dass das Gesuch durchgeht, gr\u00fc\u00dft euch alle recht herzlich&nbsp;euer Sepp&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"708\" src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Weihnachtsgrus-1941-1024x708.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-812\" srcset=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Weihnachtsgrus-1941-1024x708.jpg 1024w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Weihnachtsgrus-1941-300x207.jpg 300w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Weihnachtsgrus-1941-768x531.jpg 768w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Weihnachtsgrus-1941-1536x1061.jpg 1536w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Weihnachtsgrus-1941-2048x1415.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">                                          <em>Weihnachtsgr\u00fc\u00dfe von der Front im Jahre 1941<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gesuch, von dem Josef schreibt, war sicherlich das Gesuch auf Fronturlaub. Zu diesem aber kam es nicht mehr. Die Schlacht um Moskau tobte unvermindert. Die deutschen Truppen mussten sich dreier Offensiven der Roten Armee erwehren. Am 28. April wurde Josef schwer verwundet und am 18. Mai 1942 erlag er seinen Verwundungen im Lazarett. Josef wurde von seinen Kameraden in russischer Erde begraben. Der Brief eines ebenfalls verwundeten Kameraden gibt Auskunft \u00fcber die letzten Tage von Josef Anton. Im Brief hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Briefausschnitt-1024x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-810\" srcset=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Briefausschnitt-1024x600.jpg 1024w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Briefausschnitt-300x176.jpg 300w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Briefausschnitt-768x450.jpg 768w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Briefausschnitt-1536x900.jpg 1536w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Briefausschnitt.jpg 1581w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eSeine Verwundung geschah in der Zeit, in welcher ich infolge meines Geschw\u00fcrs und Mittelohrentz\u00fcndung t\u00e4glich zum Hauptverbandsplatz musste. Eines Tages wurde Anton in selbigen eingeliefert. Kannte ihn fr\u00fcher weiters nicht, da die Kompanie selten vollst\u00e4ndig beisammen und Anton in den anderen Gruppen war. K\u00f6nnt euch vorstellen, wie seine Freude war, in Stunden schwerer Verwundung einen Kamerad aus seinem eigenen Heimatsbezirk kennen zu lernen. Gewiss, er hatte eine schwere Verwundung (Splitter im Kopf und R\u00fccken), dennoch ertrug er die Schmerzen mit Geduld und Tapferkeit. Wir lagen mit einer Gruppe im Ort, zu welchem auch der Hauptverbandsplatz z\u00e4hlte. Folglich konnte ich Anton t\u00e4glich besuchen. Immer gr\u00f6\u00dfer war unsere Freude, wenn wir uns sahen und kurz von dies und jenem sprachen. Jegliche W\u00fcnsche wurden ihm gleich erf\u00fcllt. Unser Hauptfeldwebel schickte immer die besten Sachen wie Schokolade, Rotwein und dergleichen. So vergingen einige Tage, ohne dass sich eine Besserung oder Verschlechterung seines Zustandes erkennen lie\u00df. Da, eines Abends bei meinem Besuch sagte er, es ginge ihm schlechter. Wir aber sagten, ach dieser Zustand geht wieder vor\u00fcber und machten ihm immer weiter Mut. Nur nicht auf falsche Gedanken kommen, es wird alles wieder gut werden! Doch den folgenden Vormittag brachte man mir die traurige Nachricht, dass Anton Josef in der vorangegangenen Nacht verstorben sei. Ich erkundigte mich gleich bei seinem Pfleger \u00fcber die Todesstunde. Dieser sagte mir, es sei gegen 11 Uhr abends eingeschlafen und fr\u00fch um 5 Uhr war er tot. Die Kameraden auf der Stube konnten es erst gar nicht glauben.<\/em> <em>Kurzum, er schlief ein und dies war sein letzter Schlaf. Ohne irgendwie mit dem Tode zu k\u00e4mpfen, ging er in die Ewigkeit. Wir verloren in ihm einen guten Kameraden, der bei uns einen Namen besa\u00df, wie nur einer ihn besitzen kann. Heute noch wird er in Gespr\u00e4chen mit eingezogen. Wei\u00dft du noch: dort und dort. Anton, der gefallen bzw. gestorben ist, war auch dabei. Seine letzte Ruhe fand er auf einem sch\u00f6n neu angelegten Soldatenfriedhof am Waldrand zwischen Ustinovo und Bozy(?)\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"680\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Josef-Feldgrab-680x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-811\" style=\"width:320px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Josef-Feldgrab-680x1024.jpg 680w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Josef-Feldgrab-199x300.jpg 199w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Josef-Feldgrab-768x1156.jpg 768w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Anton-Josef-Feldgrab.jpg 938w\" sizes=\"(max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>                                            Feldgrab des Gefreiten Anton Josef in Russland <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 2. Oktober 1942 wurde der Tod von Josef Anton durch eine Nachricht der Wehrmachtauskunftsstelle amtlich best\u00e4tigt.&nbsp;Die Familie trauerte lange um Josef. Durch seinen Tod im Krieg r\u00fcckte sein nachgeborener Bruder Eduard in die eigentlich f\u00fcr Josef vorgesehene Rolle und \u00fcbernahm einen Teil der Grundst\u00fccke, zu denen auch die Weinberge auf dem Engelsberg geh\u00f6rten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Soldatenfriedhof Rshew bei Moskau wird an Josef Anton unter den unbekannten Soldaten erinnert. An ihren Onkel erinnern sich auch die beiden Nichten Lilo Sch\u00e4fer und Brigitte Groeger, welche die Fotos f\u00fcr diesen Beitrag \u00fcberlassen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Dr. Klaus Eichenlaub)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Elternhaus von Josef Anton stand in der Unteren Hauptstra\u00dfe 146 im Schatten des Kirchturms, rechts neben dem sp\u00e4ter angelegten Parkplatz. Die einzige Glocke, die dem Turm geblieben war &#8211; die anderen waren abgeh\u00e4ngt und zur Waffenherstellung eingeschmolzen worden &#8211;&nbsp;verk\u00fcndete 1942 seinen Tod an der Ostfront.&nbsp; Josef Anton war das 9. 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