{"id":186,"date":"2024-09-17T04:29:58","date_gmt":"2024-09-17T04:29:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/?page_id=186"},"modified":"2024-10-21T12:00:25","modified_gmt":"2024-10-21T12:00:25","slug":"herbert-adam-1925-1944","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/?page_id=186","title":{"rendered":"Herbert Adam (1925-1944)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert Adam kam am 20. Oktober 1925 als viertes von f\u00fcnf Kindern des Zigarrenmachers Franz Adam und dessen Ehefrau Barbara geb. Wilhelm auf die Welt. Das Elternhaus stand in der Offenbacher Stra\u00dfe 18 in Herxheim. Sein drei Jahre \u00e4lterer Bruder erlernte den Beruf des B\u00e4ckers und Herbert machte eine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten. Als der 2. Weltkrieg seinen Anfang nahm, war Herbert 13 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Adam-Herbert-1.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 17-j\u00e4hrige Herbert wurde am 15.&nbsp;Januar&nbsp;1943 zun\u00e4chst zum Reichsarbeitsdienst (RAD)&nbsp;als sog. Arbeitsmann eingezogen und verblieb dort das \u00fcbliche halbe Jahr. Noch nicht ganz 18 Jahre alt wurde er am 25.&nbsp;August&nbsp;1943 zu den Soldaten gerufen, erhielt eine Ausbildung zum Panzergrenadier und wurde dem Grenadier-Regiment 1028 in Bitsch zugeteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wo Herbert erstmals zum Kriegseinsatz kam, dar\u00fcber liegen keine \u201eamtlichen\u201c&nbsp;Daten vor. Auf Grund der zahlreichen Feldpost, die er nach Hause schickte und auf Grund der Historie seiner Einheit, konnte dennoch vieles in Erfahrung gebracht werden. Sicher ist, dass Herberts Regiment auf Befehl des Oberkommandos&nbsp;der Wehrmacht am 22. Januar 1944 nach Italien verlegt wird. Dort hatten die Alliierten im Sommer 1943 Sizilien erobert und im September erste Br\u00fcckenk\u00f6pfe auf dem Stiefel-Italien gebildet. Herberts Einheiten k\u00e4mpften zwischen Ende Januar bis zum Fr\u00fchjahr 1944 am Br\u00fcckenkopf Anzio-Nettuno bzw. am Cisterna-Bogen (ca. 100 km s\u00fcdl. von Rom) an der sogenannten \u201eGustav Linie\u201c gegen die britisch-amerikanisch-kanadischen Alliierten.&nbsp;<br>&nbsp;Herberts zahlreiche Briefe an seine Familie geben uns Kunde von seinen Einsatzorten in Italien und von dem Leben als Soldat an der Kriegsfront.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"689\" src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Herbert-links-mit-Familie-1024x689.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-187\" style=\"width:631px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Herbert-links-mit-Familie-1024x689.jpg 1024w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Herbert-links-mit-Familie-300x202.jpg 300w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Herbert-links-mit-Familie-768x517.jpg 768w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Herbert-links-mit-Familie.jpg 1235w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">    Herbert (links im Bild) im Kreise seiner Familie in Herxheim. (Bild: Archiv Klaus Eichenlaub) <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Darin schw\u00e4rmt er anf\u00e4nglich von einem \u201esehr sch\u00f6nen St\u00e4dtchen am Mittelmeer. Es ist ganz prima hier.\u201c \u201eBirnen und Pfirsiche\u201c, so schreibt er, \u201egibt es in rauen Mengen, eine kleine Abwechslung im eint\u00f6nigen Barrasessen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Briefen bedankt er sich f\u00fcr die ab und an&nbsp;erhaltenen P\u00e4ckchen mit Hausmacher Wurst und \u201eRauchwaren\u201c von zu Hause und versichert seinen Angeh\u00f6rigen zu deren Beruhigung auch gleich, dass es ihm \u201eimmer noch recht gut\u201c gehe. Gro\u00dfen emotionalen Anteil nimmt Herbert am Schicksal seines an der Ostfront eingesetzten Bruders Walter. \u201eWas schreibt Walter? Geht es ihm auch noch gut?\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit seinem Aufenthalt in Italien beginnt f\u00fcr Herbert eine Zeit vermehrter Anspannung. So stellt er gleich in seinem&nbsp;ersten Brief von dort die bange Frage: \u201eNoch ist es ruhig; aber wird es so bleiben?\u201c <a><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den darauffolgenden Briefen mehren sich Hinweise auf erschwerende&nbsp;Bedingungen seines Frontsoldatenlebens: \u201eBin sehr beengt im Schreiben, denn wir sitzen hier zu zweit Tag und Nacht in einem Sch\u00fctzenloch. Es ist furchtbar, aber leider nichts zu machen!\u201c&nbsp;Herbert schreibt von den zuf\u00e4lligen Begegnungen mit anderen Herxheimern (Wassermanns und Bullingers Ernst, Biegards Richard) oder anderen Kameraden aus der S\u00fcdpfalz, an deren Schicksal er auch regen Anteil nimmt. So berichtet er seine Angeh\u00f6rigen von der schweren Verwundung von Bullingers Ernst, der ein Auge und einen Arm verloren habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Grundlage des Kriegsverlaufes in Italien d\u00fcrfen wir Herbert ab dem Sommer 1944 in K\u00e4mpfe um die sogenannte \u201eGotenstellung\u201c (die auf der H\u00f6he von Massa-Carrara und Pesaro von der West- zur Ostk\u00fcste Italiens verlief) im Einsatz vermuten. Herberts Grenadier-Regiment wurde ab 19.&nbsp;Juli&nbsp;1944 n\u00f6rdlich des Flusses Esino (etwas n\u00f6rdlich von Ancona) zur Verst\u00e4rkung der&nbsp;Front innerhalb der \u201eGotenstellung\u201c eingesetzt. Dort fanden im Sp\u00e4tsommer 1944 die heftigsten K\u00e4mpfe statt, weil die alliierten Truppen auch um den Preis heftiger eigener Verluste dort am intensivsten den Durchbruch durch die \u201eGotenstellung\u201c versuchten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wohl zu seiner eigenen psychischen Entlastung und um den Angeh\u00f6rigen Sorgen zu nehmen,&nbsp;erh\u00f6ht&nbsp;Herbert ab Juli 1944 die Frequenz seines Briefwechsels.&nbsp;Vom Monat Juli 1944 liegen allein sieben und aus dem&nbsp;Monat August 1944 f\u00fcnf weitere Briefe vor. In diesen Briefen werden die&nbsp;Belastungen seines Frontsoldatenlebens&nbsp;noch deutlicher. Er klagt \u00fcber&nbsp;das hei\u00dfe Klima in Italien, das&nbsp;ihm nach seiner Versetzung aus dem \u201efruchtbaren K\u00fcstenland an der Adria\u201c in eine \u201efurchtbar einsame Gegend\u201c&nbsp;zu schaffen mache. Der qu\u00e4lende Durst sei kaum auszuhalten. \u201eNichts als Berge und Steine. Kilometerweise kein einziges Haus und demnach auch kein Wasser oder sonstiges Getr\u00e4nk. Den ganzen Tag brennt die Sonne erbarmungslos auf uns herab. Hier gibt es fast nichts an Obst\u201c, so schreibt er nach Hause.&nbsp;Und weiter: \u201eNach Ruhephasen sei er immer wieder auf dem Weg nach vorne,&nbsp;wo er dann wieder am Feind sei und sich immer wieder erst an das ewige Geschie\u00dfe gew\u00f6hnen m\u00fcsse. Fr\u00fcher habe er sich dies nicht so vorstellen k\u00f6nnen, aber jetzt, da er tagt\u00e4glich das Beispiel der Grausamkeit dieses Krieges vor den Augen habe&nbsp;und ganz verdreckt und verlaust in Erdl\u00f6chern ausharren&nbsp;und von Kaltverpflegung leben m\u00fcsse, wisse er, was es hei\u00dft, im Frontgebiet zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wiederholt thematisiert er sein Heimweh., z B. anl\u00e4sslich des Geburtstages seines Vaters: \u201eWie sch\u00f6n w\u00e4re es, Vater pers\u00f6nlich zu seinem Geburtstag zu gratulieren. Stattdessen sitze ich hier in dem verfluchten Italien im Graben.\u201c&nbsp;Gleichzeitig versucht er sich immer wieder mit dem Gedanken zu tr\u00f6sten, dass die schweren Zeiten auch irgendwann wieder mal zu Ende und er wieder zu Hause sein k\u00f6nne.&nbsp;\u201eMan muss t\u00e4glich Gott bitten, dass das hier endlich mal ein Ende finden wird\u201c, f\u00fcgt er an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert&nbsp;zeigt sich in seinen Briefen&nbsp;sehr besorgt&nbsp;\u00fcber die Fliegerangriffe auf seine Heimat im Jahr 1944, \u00fcber die er informiert ist. \u201eEs ist traurig, dass auch ihr daheim unter diesem Krieg leiden m\u00fcsst.\u201c \u2026&nbsp;\u201eGeht ja in den Bunker oder Keller bei Fliegeralarm!\u201c In seinem letzten Brief vom 3. September 1944 macht er sich auch Sorgen um seine Angeh\u00f6rigen, weil der Feind, \u201eder Tommy\u201c immer n\u00e4her an die Reichsgrenze heranr\u00fcckt. \u201eWerden wir vom Feind \u00fcberrannt?\u201c, fragt er besorgt. Sarkasmus ist nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, wenn er sich erkundigt, wie sich die Ma\u00dfnahmen des \u201etotalen Krieges\u201c&nbsp;zu Hause auswirken und er ironisch hinzuf\u00fcgt:&nbsp;\u201e\u00dcberall volle Begeisterung, was?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Brief von Vater Franz vom 14. Oktober 1944 mit dem Bericht von der Silbernen Hochzeit der Eltern erreichte Herbert nicht mehr. Seit dem 25. September&nbsp;1944 galt er als vermisst. Er ist nur 19 Jahre alt geworden!<br>&nbsp;Herberts Vermisstenmeldung erreichte seine Angeh\u00f6rigen erst am 23. Oktober 1944.&nbsp;Zur Trauer um ihn gesellte sich bei Eltern und den drei Schwestern Hiltrud, Rosa und Inge die Sorge um Bruder Walter, der seit 1942 im Einsatz an der Ostfront stand und im November 1943 verwundet worden war.&nbsp;W\u00e4hrend dieser nach der Kriegsgefangenschaft nach Hause zur\u00fcckkehrte, ruhen Herberts Gebeine an unbekanntem Ort in Italien.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Klaus Eichenlaub<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herbert Adam kam am 20. Oktober 1925 als viertes von f\u00fcnf Kindern des Zigarrenmachers Franz Adam und dessen Ehefrau Barbara geb. Wilhelm auf die Welt. Das Elternhaus stand in der Offenbacher Stra\u00dfe 18 in Herxheim. Sein drei Jahre \u00e4lterer Bruder erlernte den Beruf des B\u00e4ckers und Herbert machte eine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten. Als der 2. 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