{"id":1169,"date":"2025-07-22T06:30:34","date_gmt":"2025-07-22T06:30:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/?page_id=1169"},"modified":"2026-02-23T19:28:52","modified_gmt":"2026-02-23T19:28:52","slug":"erwin-bullinger-1916-1944","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/?page_id=1169","title":{"rendered":"Erwin Bullinger (1916-1944)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Elternhaus von Erwin Bullinger stand in der Unteren Hauptstra\u00dfe 98. Seine Eltern waren die Bauersleute Franz Bullinger und Theresia geb. Weiller. Er war das achte von elf Kindern und kam am 26. September 1916 auf die Welt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 15. Januar 1938 musste er in der Kaserne Bergzabern den Wehrdienst antreten und ab 1. August 1939 stand er als Soldat bereit, nicht ahnend, was ihn bald erwarten w\u00fcrde. Es folgte vom 10. Mai bis 1. Juli 1940 sein Einsatz im Frankreich-Feldzug und ab 1. April 1941 in Jugoslawien. Mittlerweile zum Gefreiten und Obergefreiten bef\u00f6rdert, nahm er am 22. Juni 1941 mit seiner Einheit am Feldzug gegen die Sowjetunion teil. Von seinen Br\u00fcdern Valentin, Franz, Eduard, Otto und Ernst standen zu diesem Zeitpunkt zumindest die beiden letztgenannten im Felde. Einen Sonderurlaub nutzte Erwin Bullinger, um am 28. Dezember 1942 in Herxheim die Ehe mit Therese Maria Knecht zu schlie\u00dfen; eine sogenannte Kriegshochzeit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"646\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-Hochzeitsfoto-646x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1172\" style=\"width:287px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-Hochzeitsfoto-646x1024.jpg 646w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-Hochzeitsfoto-189x300.jpg 189w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-Hochzeitsfoto-768x1218.jpg 768w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-Hochzeitsfoto-969x1536.jpg 969w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-Hochzeitsfoto.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 646px) 100vw, 646px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hochzeitsbild von Therese Maria Knecht und Erwin Bullinger 1942.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab dem 24. Juli 1944 wurde Erwin Bullinger vermisst. Als Vermisstenort wird die Gegend 30 km s\u00fcdlich von Lemberg in der heutigen Ukraine angegeben. Wir wissen nicht, ob er ein Soldatengrab fand. \u00dcber die Vorg\u00e4nge, die Erwin Bullinger wahrscheinlich den Tod brachten, berichtete in einem vom 30. September 1944 datierten Brief ein Kamerad von Erwin Bullinger an dessen Frau:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"626\" src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Feldpostbrief-Bullinger-1024x626.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1181\" srcset=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Feldpostbrief-Bullinger-1024x626.jpg 1024w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Feldpostbrief-Bullinger-300x184.jpg 300w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Feldpostbrief-Bullinger-768x470.jpg 768w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Feldpostbrief-Bullinger.jpg 1419w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eSeien Sie mir nicht b\u00f6se, weil ich Ihnen nicht gleich geschrieben habe. Warum? Es ist streng verboten, den Angeh\u00f6rigen zu schreiben, bevor die Dienststelle, die Kompanie, es ihnen mitgeteilt. Erwin ist seit dem 27. Juli bereits vermisst. Vier Wochen muss gewartet werden. Man wei\u00df ja nicht, ob er sich noch bei einer anderen Einheit meldet. (\u2026) Will Ihnen jetzt genau schreiben, wie der Verlauf des 27. Juli war und wie es kam, dass ich rauskommen konnte und Erwin vermisst ist. Wir waren in Winniki, dies ist eine Vorstadt von Lemberg, am 26. Juli. Um 1 Uhr kam die Meldung, die Durchfahrt ist geschlossen, also der Kessel ist zu. An diesem Mittag hatten wir schon zwei Tote in dem Dorf. Um 5 Uhr ungef\u00e4hr war es, legte der Russe ein Trommelfeuer ins Dorf, so dass wir nicht l\u00e4nger bleiben konnten. In gro\u00dfer Geschwindigkeit verlie\u00dfen wir das Dorf mit unseren Fahrzeugen, ungef\u00e4hr zwei Kilometer weit raus in den Wald. Alles stockte sich und es hie\u00df warten, bis Panzer kommen, die die Bahn zum Durchfahren freimachen sollten. Es kamen wirklich Panzer und fuhren vor. Auch J\u00e4ger, unsere M\u00e4nner von vorne meine ich. Erwin und ich lagen an der K\u00fcche beisammen. Mir gefiel die Geschichte nicht. Um 5 Uhr fuhr die endlose lange Kolonne an. Dies ging drei Kilometer, dann hie\u00df es: Schnell fahren, Feind in Sicht! Wir waren nicht ganz 300 m gefahren, stockte alles. Der Nebel fiel, die Sonne dr\u00fcckte sich durch, der Russe sah uns gleich und deckte uns ein mit Pakfeuer ein. Wieder lag ich neben ihrem Mann. Dies ging etwa 30 Minuten. Ein Wald war 50 m entfernt. Ich sprang auf, um zu erkunden, ob wir reinfahren k\u00f6nnen. In dem Moment fuhr die Kolonne auch, Erwin mit der K\u00fcche. Nach einer Stunde traf ich Erwin wieder mit der K\u00fcche, die als einziges Fahrzeug noch da war. Erwin sagte: \u201eWalter bleib jetzt bei mir.\u201c Meine Antwort war: \u201eFreilich, ich suchte dich \u00fcberall.\u201c War auch immer bei ihm, bis wir Degen, unseren Hauptfeldwebel trafen, der verwundet wurde und wir ihn zusammen verbanden und ihn auf dem K\u00fcchenfahrzeug mitnahmen. Etwa drei Kilometer fuhren wir bis in ein Dorf. Dort wurden wir \u00fcberfallen. Wir kamen noch hinter ein Haus, spannten die Pferde aus, jeder schwang sich auf ein Pferd und ritten davon. Der Russe in Scharen hinterdrein. Noch keine 300 Meter ritten wir, Degen sprang noch nach und rief: \u201eNehmt mich mit.\u201c In der selben Minute fiel Erwin vom Pferde und weinte ich sagte: \u201eErwin, was ist denn, rei\u00df dich zusammen, es geht auf Leben und Tod.\u201c Erwin hatte einen Nervenzusammenbruch. Er war ganz ersch\u00f6pft, nehme ich an. Sein Pferd sprang davon. Langsam stand er auf, sagte: \u201eHole mir mein Pferd.\u201c Keine 300 m ritt ich vor, holte sein Pferd. In diesen Minuten kam der Russe in Str\u00f6men in H\u00f6chstgeschwindigkeit nach. Ich blieb und schaute bis der Russe auf 30 m ran kam. Nichts mehr war zu sehen. Erwin kam in Gefangenschaft. Glauben Sie mir mein Herz klopfte. Ich konnte fast nimmer. Allein war ich, ritt durch das Feuer mit zwei Pferden. Die Pferde waren nicht mehr zu halten und trieben etwa zwei Kilometer in falscher Richtung, bis ich die Pferde stehen lassen musste. Ich schaute nach der Sonne. Da ergab sich f\u00fcr mich die Richtung. Ich kam gl\u00fccklich ohne Verwundung in das Dorf, wo das Regiment stand. Vom Tross war nur noch ein Fahrer da. So ist es uns ergangen. Erwin war ein herzensguter Kamerad und wie weh es mir tat, kann ich Ihnen nicht schreiben. Kann Erwin nie vergessen. Kein Tag vergeht, ohne dass sein Name gesprochen wird in der Kompanie. So ist es gegangen mit ihrem lieben Mann. Bleiben Sie gesund Wir wollen hoffen, dass Erwin nach Kriegsende zur\u00fcckkehren wird zu ihnen. Der liebe Gott wird Ihnen beistehen.\u201c\u00a0<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"651\" src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-und-Otto-Familienbild-1024x651.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1171\" srcset=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-und-Otto-Familienbild-1024x651.jpg 1024w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-und-Otto-Familienbild-300x191.jpg 300w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-und-Otto-Familienbild-768x488.jpg 768w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-und-Otto-Familienbild-1536x977.jpg 1536w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-und-Otto-Familienbild-2048x1302.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Familienbild der Familie Bullinger bei der Hochzeit eines Bruders von Erwin Bullinger. Erwin Bullinger, zu dem Zeitpunkt vermutlich noch unverheiratet, sitzt in Uniform unter dem Brautpaar und zwischen den beiden Eltern. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soweit die Vorg\u00e4nge nach dem Bericht des Kameraden. Die offizielle Nachricht von der Dienststelle der Kompanie ist datiert vom 29. August 1944 und best\u00e4tigt in kurzer Form die Aussagen des Kameraden. Zus\u00e4tzlich erfahren wir, dass Erwin Bullinger Stabsgefreiter war und Fahrer der Feldk\u00fcche. Ansonsten&nbsp; zeigt die Nachricht des Kompanief\u00fchrers die \u00fcblichen Standarts\u00e4tze: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eIhr Gatte tat seinen Dienst stets zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten. Als einen der \u00e4ltesten Kompanieangeh\u00f6rigen war er bei seinen Kameraden sehr beliebt und geachtet. F\u00fcr alle, die ihn kannten, wird er ein vorbildlicher Soldat und treuer Kamerad bleiben. (\u2026) M\u00f6ge ihnen die Gewissheit, dass ihr Gatte sein Bestes tat f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe und den Bestand des Gro\u00dfdeutschen Reiches ein Trost sein in dem schweren Leid, dass sie getroffen hat.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"797\" src=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-Sterbebild-1024x797.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1173\" style=\"width:547px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-Sterbebild-1024x797.jpg 1024w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-Sterbebild-300x233.jpg 300w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-Sterbebild-768x598.jpg 768w, https:\/\/www.kulturelleserbe-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bullinger-Erwin-Sterbebild.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Todesanzeige von 1944.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Das Leid traf nicht nur die junge Ehefrau, sondern auch die Eltern und Geschwister, dies umso mehr, als der \u00e4ltere und ebenfalls verheiratete Bruder Otto schon ein Jahr zuvor, am 23. Juni 1943 in Pfachino auf dem \u00f6stlichen Kriegsschauplatz gefallen war. Der j\u00fcngere Bruder Ernst war in russische Kriegsgefangenschaft geraten, aus der er erst 1949 heimkehrte. Die Eintragung ins Sterberegister der Gemeinde Herxheim erfolgte erst 1951, nachdem von der zust\u00e4ndigen Dienststelle in Berlin ein entsprechender Bescheid eingetroffen war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen der Umbettungsarbeiten des Volksbundes deutsche Kriegsgr\u00e4ber konnten seine Gebeine nicht geborgen werden. Die vorgesehene \u00dcberf\u00fchrung zum Sammelfriedhof Potelitsch\/Ukraine war somit leider nicht m\u00f6glich: Sein Name wird im Gedenkbuch des Friedhofes verzeichnet und in der Kriegerged\u00e4chtniskapelle in Herxheim.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Dr. Klaus Eichenlaub)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Elternhaus von Erwin Bullinger stand in der Unteren Hauptstra\u00dfe 98. 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