Auf dem Friedhof in Herxheim wird auf dem unteren Teil des Grabsteins für Georg Eichenlaub und Margareta geb. Seither an Max, Albert und Erich Eichenlaub erinnert. Das eiserne Kreuz zwischen den Lebensdaten verdeutlicht, dass alle drei nicht mehr aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkamen und in fremder Erde ruhen. Es handelt sich um drei Brüder der Landwirtsfamilie Georg und Margareta Eichenlaub aus der Holzgasse 23 in Herxheim.

Das Ehepaar hatte acht Kinder, wovon zwei schon im Kindesalter starben. Albert, der zweitälteste der Brüder war am 2. Juli 1910 in Herxheim auf die Welt gekommen. Sein älterer Bruder Eugen sollte der Tradition folgend den elterlichen Bauernhof übernehmen. Albert, als Zweitgeborener, erlernte das Metzgerhandwerk. Der jüngere Bruder Karl durfte das Gymnasium besuchen und wurde nach dem Krieg Lehrer. Die Wiedereinrichtung der Wehrmacht im Jahre 1936 traf Alberts jüngeren Bruder, den damals 18jährigen Max als ersten, als dieser den zweijährigen Wehrdienst leisten musste. 
 Albert war zu diesem Zeitpunkt mit dem Wanderbuch des Fleischerhandwerks ausgestattet und beruflich engagiert unterwegs. In seiner Freizeit trainierte und spielte er für den Herxheimer Fußballverein Viktoria. 1939 wurde er Mitglied der NSDAP.

Verbandswanderbuch von Albert Eichenlaub (Vorder- und Rückseite)

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges ahnte Albert noch nicht, dass auch er bald zu den Waffen gerufen würde. Kurz vor Beginn des Frankreichfeldzugs kam der Einberufungsbefehl. Das war im April 1940. Sein Arbeitgeber verzichtete nur ungern auf ihn, denn Ersatz für ihn gab es nicht, waren doch annähernd alle jungen Männer bei den Soldaten. Albert war nun Soldat des Infanterieersatzbataillon 304 und gehörte zu den 406.000 jungen Männern seines Jahrgangs in Deutschland, die Anfang des zweiten Kriegsjahres zu den Waffen gerufen worden waren. Zu den Waffen gerufen war auch die Mehrzahl seiner Kameraden des Fußballvereins Viktoria, so dass dieser den Spielbetrieb beschränken und schließlich ab August 1942 ganz einstellen musste.

Adolf Eichenlaub (2. vorne links) ca. 1930 mit anderen jungen Männern aus Herxheim beim Fußball spielen

Alberts jüngerer Bruder Max war schon zuvor in den Kriegsdienst gerufen worden und nun waren auch Alberts weitere Brüder Karl und Erich zum Militär eingezogen. Er und seine drei Brüder gehörten früher oder später zu dem Millionenheer, welches Nazi-Deutschland im Juni 1941 zum Überfall auf die Sowjetunion in Stellung brachte. Alberts Bruder Erich war der erste, den der Tod an der Front einholte. Ihn hatte schon am 8. August 1941, zwei Monate nach Beginn des Russlandfeldzuges an der Nordfront eine feindliche Kugel tödlich getroffen.

Feldbrief von Albert Eichenlaub an seine Eltern vom 4. Januar 1943 (links); Todesmeldung des Kompanieführers vom 21. Januar 1943

Es konnte nicht herausgefunden werden, wo Alberts Einheit zu diesem Zeitpunkt im Einsatz standen. Ein erhaltener Brief an seine Eltern, datiert vom 4. Januar 1943 liefert den Hinweis, dass er – mittlerweile am 1. Dezember 1941 zum Gefreiten befördert – noch bis Ende 1942 in Frankreich weilte, bevor auch er mit seiner Einheit an die sowjetisch-russische Front kommandiert wurde. Bestätigt wird diese Vermutung durch ein Gutachten des DRK-Suchdienstes, wo  es heißt:
 „Nach der Einschließung der deutschen sechsten Armee in Stalingrad am 23. November 1942 waren die Truppen der Roten Armee rund 250 km nach Westen vorgedrungen und haben bis zum Jahresende große Gebiete zwischen Don und Donez zurückerobert. Zum Ausbau einen neuen Abwehrfront wurden deutsche Reserven in Eiltransporten herangeführt, darunter die in Frankreich stehende 304. Infanterie-Division.

Diesen Vorgang beschreibt Albert im o.g. Brief so: Habe nicht viel Zeit, zum Schreiben, wir hausen heute Nacht mit 20 Mann in einer kleinen Hütte, zum Unterschied zwischen Frankreich und hier.
 Wir wurden nach 16-tägiger Bahnfahrt ausgeladen, dann ging es per Straße einige Tage weiter, sind
jetzt an der Front angelangt. Sind recht schnell zum Einsatz gekommen. Das haben wir vor allen Dingen den Rumänen und Italienern zu verdanken, die haben nämlich schön ausgebaute Stellungen verlassen und sind geflüchtet. Könnt euch denken, wie es da zuging.

Habe schon eine kleine Ahnung bekommen, von der russischen Front. Leider haben wir einige Ausfälle an Toten und Verwundeten. Auch ein guter Kamerad, mit dem ich seit Anfang meiner Militärzeit beisammen war, ist von einem Spähtrupp nicht zurückgekehrt. Kurz bevor er weg ging, sagte er mir noch, wenn er nicht wieder zurückkommt, soll ich seine Angehörigen benachrichtigen. Er ist aus Lindenberg bei Neustadt.

Nur zwei Wochen später, ging ein Brief an die Eltern, diesmal vom Kompanieführer, Oberstleutnant Alleinacker, mit dem 21. Januar 1943 als Datum. Es ist die Nachricht von Alberts  Tod. Darin heißt es:
 „Es schmerzt mich unendlich, Ihnen mitteilen zu müssen, dass er lieber Sohn seit dem 17. Januar vermisst und bis jetzt haben wir vergebens gewartet und gehofft, er würde wieder eintreffen. Es ist aber trotzdem nicht ganz ausgeschlossen, dass er noch bei irgend einem Truppenteil zurück gehalten wird oder als verwundet oder mit Erfrierungen ins Lazarett gekommen ist. Wir haben aber noch keinerlei Nachricht erhalten können. Am 16. Januar bekamen wir den Befehl, uns vom Feind zu lösen, wurden aber dabei eingekesselt. Der Russe bekämpfte uns von allen Seiten und wir wurden fast alle versprengt und mussten uns einzeln durchschlagen. … Sein Opfer gibt uns die Verpflichtung zum weiteren Aushalten im harten Ringen gegen den Bolschewismus und unsere über alles geliebte Heimat zu schützen.

Fotomontage von Erich, Max und Albert Eichenlaub aus Herxheim

Die Kunde vom Tod seines Bruders Max wird Albert nicht mehr erreicht haben.
 Sein genaues Schicksal wird wohl für immer im Verborgenen bleiben, gleichwohl uns das o. g. Gutachten des DRK-Suchdienstes Einblicke in die Situation dieses Frontabschnitts gibt. Dort lesen wir:
 „Heftige Angriffe des Gegners verlangten bereits Ende Dezember zur Aufgabe vorgeschobene Stützpunkte. Am 1. Januar 1943 erzielten hier die Verbände einer sowjetischen Gardearmee tiefe Einbrüche und drangen in den nächsten Tagen von Norden und von Osten in Richtung Kamenz vor. Trotz zähen Widerstandes mussten die Bataillone langsam zurückweichen, nachdem sie bei den Kämpfen um die Ortschaften Trofimoff, Rossosch, Wollnjy und Sabuldygin hohe Verluste erlitten hatten. Mitte Januar gelang es, an der Rollbahn Millerowo-Kamenz Stellungen vorübergehend zu halten. Als aber sowjetische Panzer, Kavallerie und Skitruppen weiter westlich über Plotina zum Donez vordrangen, schlugen sich die nahezu eingeschlossenen Einheiten bei Stariza und Dawydo-Nikolsk auf das Westufer des zugefrorenen Stromes durch und verteidigten anschließend einen Abschnitt der Bahnlinie nördlich von Krassnodon bei Belo-Skelawatyj, um den Rückzug anderer Verbände zu ermöglichen. Anfang Februar lösten sich die restlichen Kampfgruppen der Division vom Gegner und hielten nördlich von Krassnyj Lutsch Stellungen bei Sterowka. Nach dem Verlust von Woroschilowgrad am 12. Februar wurde der Rückzug zum Mius, ostwärts von Stalino, fortgesetzt.

Viele Soldaten der 304. Infanteriedivision, darunter auch der verschollene Albert Eichenlaub, werden seit diesen Kämpfen vermisst.“

Drei Söhne der Familie Eichenlaub ruhen in russischer Erde. Auf einem der 107 Granitwürfel des Soldatenfriedhofes Rossoschka bei Wolgograd ist auch der Name von Albert Eichenlaub eingraviert.

Es fällt schwer, den Schmerz nachzuempfinden, wenn drei Söhne einer Familie im Felde bleiben. Der älteste Bruder Eugen durfte gemäß einer Regelung frühzeitig den Dienst an der Front quittieren, Bruder Karl kam nach zweijähriger russischer Kriegsgefangenschaft zurück und tat als Lehrer Schuldienst. Nicht genug, dass die Familie um drei Söhne trauerte, schlug der Krieg noch ein weiteres Mal zu, als 1942 die Bombenlast zurückkehrender alliierter Bomber das bäuerliche Anwesen in der Holzgasse traf und Scheuer und Stallungen ausbrannten. 

(Dr. Klaus Eichenlaub)