Erwin Ebler (1910-1944 vermisst, 1950 für tot erklärt)

Stefanie Garrecht, Enkelin von Erwin Ebler, äußerte den Wunsch, dass Ihrem Opa, dem in Russland vermissten Erwin Ebler, ebenfalls ein Biographie gegeben werde. Mit ihrer Hilfe  konnte in das Leben des 1910 geborenen Erwin Ebler etwas Licht gebracht werden. Er war das fünfte Kind des Zigarrenmachers und Fabrikaufsehers Johannes Ebler und der Fabrikarbeiterin Katharina geb. Schnurr und kam am 2. September 1910 zur Welt. Erwin verdingte sich nach Ende der Volksschule ebenfalls als Fabrikarbeiter. Er war aktives Mitglied des Herxheimer Turnvereins und war als Turner mit seiner Mannschaft auf zahlreichen Wettkämpfen erfolgreich. 1937 heiratete er Anna Trauth aus dem Scharfeneck und bezog in der Luitpoldstraße 4 Wohnung mit ihr. Ende 1938 kam Sohn Ansgar auf die Welt.

Ewin Ebler (4. v. l.) als Mitglied der Turnriege des TV Herxheim 1932.

Im Februar 1941, der Zweite Weltkrieg war ein halbes Jahr alt, musste Erwin im Alter von 31 Jahren zum 2. Infanterie-Reserveersatzbataillon Luxemburg einrücken. Drei Monate später kam er beim Frankreichfeldzug im Mai 1940 zum Einsatz und war nachfolgend Besatzungssoldat, bis seine Einheit im Juni 1941 an die Ostfront gerufen wurde. Ende 1942 kam seine Tochter Gertrud zur Welt.

Hochzeitsfoto von Anna Ebler, geborene Trauth und Erwin Ebler sowie Heitratsurkunde 1937.


Am 9. Januar 1943 kam die letzte Feldpost nach Hause. Von der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der Angehörigen liegt eine Meldung vor, nach der Erwin Ebler mit seiner Einheit am 20. Januar 1943 in die große Abwehrschlacht nordwestlich von Kamensk im Donbogen im Einsatz war. In dessen Verlauf verloren sich seine Spuren, ohne dass etwas über sein Schicksal bekannt geworden ist.

Erwin Ebler mit seinem Zug vor dem Eiffelturm in Paris 1940.


Seine Frau Anna musste nach Kriegsende davon ausgehen, dass Erwin nicht mehr zu ihr und den Kindern zurückkehren würde und stellte deshalb den Antrag auf Toderklärung, dem das Amtsgericht 1950 stattgab. Anna Ebler war nun eine von rund 100 Herxheimer Kriegswitwen. Beide Kinder hatten keine persönliche Erinnerung an ihren Vater, kannten ihn nur von den Erzählungen der Mutter und von einigen Fotos. 

Sohn Ansgar folgte den sportlichen Wegen seines Vaters, diente in den 1950er und 1960er Jahren des letzten Jahrhunderts als Mittelfeldspieler der 1. Mannschaft des SV Viktoria Herxheim. Seine Mutter war oft Besucherin bei den Spielen am Krönungsbusch. Möglicherweise fühlte sie sich bei den sportlichen Aktionen ihres Sohnes an ihren im Feld gebliebenen Erwin erinnert.

Außer auf den Bronzetafeln der Herxheimer Kriegergedächtniskapelle wird auch auf dem Soldatenfriedhof Rossoschka bei Wolgograd in Russland an ihn erinnert. Ergänzend sei angemerkt, dass auch Erwins älterer Bruder Jakob nicht mehr lebend aus dem Krieg zurückkehrte. Er wurde seit Januar 1945 bei den Abwehrkämpfen in Polen vermisst.

(Dr. Klaus Eichenlaub)